Gundermann

Günsel

Ernst Kreidolf (1863 – 1956)

Biografie von Ernst Kreidolf: http://kreidolf.ch/de/leben-und-werk/11-biografie

Der Gundermann und der kriechende Günsel

Bei Apotheker Gundermann
Erscheint der kriechende Günsel.
Er kommt auf allen vieren an
Mit Heulen und Gewinsel.

»O Apotheker Gundermann!
O helft mir doch mit Salben!
Ihr seht, wie schlecht ich
gehen kann,
Es reisst mich allenthalben!«

Der Apotheker räuspert sich:
»Wohl kann ich das beschwören:
Der Mittel hab‘ so viele ich,
An Kräutern, Wurzeln, Beeren.

Zum Beispiel: Gundelrebentee,
Waldmeister und Kamillen.
Labkraut, Holunder, Fieberklee,
Den heissen Durst zu stillen.

Spitzwegrich heilt die wunde Haut,
Das Zinnkraut stillt das Blut.
Der Tee vom Tausendguldenkraut
Ist für den Magen gut.

Der Augentrost macht‘s Auge klar,
Heublumen sind für Gicht;
Und Fichtennadelbäder gar,
das ist, was Euch gebricht.«

Der Günsel trinkt fünf Tassen Tee
Und schwitzt darauf, o jemine!
Ein warmes und ein kaltes Bad
Macht seine Glieder wieder grad.

Er ist, wer glaubt‘s von dieser Stund‘
Geheilt und wieder ganz gesund.

Der Günsel rühmt, so viel er kann –
Dann fragt er: »Nun, Herr Gundermann,
Was kostet diese schwere Kur?«
»Sie kostet sieben Gulden nur!«

»Habt Dank! Ganz wie es Euch
gefällt;
Zwar hab‘ ich keinen Kreuzer Geld,
Doch da es mir so gut bekommen,
So werd‘ ich sicher wiederkommen.«


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.